Hörtext 6
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Hörtext 6

 

Sie hören jetzt eine Radiosendung. In der Reihe „Unterwegs" hören Sie das Streitgespräch der Woche zwischen einem Autofahrer und einem Radfahrer. Zu diesem Text sollen Sie 10 Aufgaben lösen. Lesen Sie jetzt die fett gedruckten Fragen neben den Nummern 41 bis 50.

Hören Sie den Text zuerst einmal ganz. Danach hören Sie ihn in Abschnitten noch einmal.

 

Journalist: Liebe Hörerinnen und Hörer, nach dem Streitgespräch der letzten Woche „Kunde gegen Verkäufer" haben wir wieder ein ganz heißes Thema vorbereitet. Übrigens: Mitten in unserer Diskussion werde ich Ihnen eine Nummer geben, unter der Sie uns wieder anrufen und Ihre Meinung durchgeben können - alles klar? Und Prämien gibt es dann auch, wie immer.

Und jetzt das Thema: „Radfahrer gegen Autofahrer." Und da kommen sie schon in unser Studio, unsere Kontrahenten. 

 

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Stellen Sie sich bitte vor? Autofahrerin: Hallo, ich bin die Efi, oder eigentlich Efridiki, meine Eltern sind vor 20 Jahren aus Griechenland hierher gekommen.

J: Aha, Orpheus und Euridike. Und Sie sind Orpheus, oder?

Radfahrer: Wie bitte? Ich heiße Quandt, Fritz Quandt.

J: So, liebe Hörerinnen und Hörer. Im Verlauf des Gesprächs werden Sie sicher erraten, wer Rad fährt und wer Auto. Efi, wo kommen Sie gerade her?

Af: Aus der Tiefgarage. War ziemlich schwierig, einen Parkplatz zu finden. Ich hab es grad' noch geschafft.

Rf: Na ja. Wir haben da ein bisschen mehr Zeit. Ich hab ja auch schon eine Weile auf Sie gewartet.

Af: Ja, dann waren Sie wahrscheinlich einer von denen, hinter denen ich hergefahren bin. Bei dem Gegenverkehr und bei den schlechten Sichtverhältnissen kann man ja auch nicht überholen. Also, Sie verstehen - nichts gegen Sie, aber Radfahrer sind für uns Autofahrer ein echtes Problem.

Rf: Das kann ich Ihnen direkt bestätigen. Sie wissen ja selbst, wie das läuft, oder Sie wissen es nicht, weil Sie noch nie auf einem Rad gesessen haben. Zu knapp vorbeigefahren, im letzten Moment blinken und rechts ab, ich mach 'ne Vollbremsung. Und dann kommt auch schon der nächste Rechtsabbieger ...

J: Ich glaube, eins ist schon klar: Radfahrer lieben Autofahrer nicht.

Af: Ist ja auch nicht möglich. Die Behinderung Nummer eins für den Autofahrer -gleich nach den Verkehrsampeln - ist der Radfahrer. Was wir da manchmal für eine Geduld brauchen!

Rf: Jetzt fang ich gleich an zu weinen. Sehen Sie sich meine Hose an. Gut, dass das keine Fernsehsendung ist. Da ist einer vorbei, natürlich wie immer ganz knapp, es regnet ja schon seit Tagen, und - wutsch - hab' ich die Soße draufgekriegt.

Af: Tut mir Leid, ich war das nicht.

Rf: Hab ich auch nicht gesagt.

 

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J: Aber das liegt ja auch an der Verkehrsplanung. Jeder von Ihnen braucht eigentlich seine eigenen Verkehrswege. Der eine die Straße, der andere den Radweg.

Af: Das kann schon sein. Aber da wird ein Radweg nach dem anderen gebaut, dazu noch ein Gehweg - doppelt so breit - und wir Autofahrer kommen fast nicht aneinander vorbei, so eng ist es.

Da muss nur einer mal rechts parken und schon stehst du. Manchmal kommen in der Mitte dann noch die Mittelspuren - für Busse und Straßenbahnen. Das nenne ich Terror gegen die Autofahrer.

Aber ich kenne keinen Autofahrer, der deswegen sein Auto stehen lassen würde.

Rf: Schade. Dann hätten wir einen weniger gehabt, der die Luft verpestet. Af: Ach, jetzt kommen diese Geschichten!

Rf: Ja, das ist natürlich wunderbar, wenn Sie da stehen, vor der Ampel, egal, ob Fußgänger oder Radfahrer. Und da stehen sie und da ist ein Auspuff und dann kommt diese wunderbare blaue Luft aus dem Auspuff, die wir dann auch gern einatmen. Und wenn die Ampel grün wird, dann gibt dieser liebe Autofahrer noch mal richtig Gas und wir kriegen noch mal eine erfrischende Wolke ins Gesicht. Aber auch bei Ihnen geht das nicht spurlos vorüber. Alle von uns werden dafür bestraft und das Klima der Erde geht langsam kaputt. Ist das nicht schön? Af: Sie sollten in die Politik gehen. Das habe ich schon zu oft gehört von denen, die glauben, dass sie die Umwelt erlösen, wenn der Liter Benzin 2 Euro 50 kostet. Und heutzutage - besonders in Zeiten des Wahlkampfs - steigen diese Politiker dann auch noch aufs Fahrrad um, um zu zeigen, wie umweltbewusst sie sind, wie viel Umweltschutz zu erwarten ist, wenn man sie wählt.

Das nenne ich Bestechung. Und die lassen dann auch noch kurz vor der Wahl möglichst viele Radwege bauen. Rf: Komisch, ich seh das genau anders rum. Sie sprechen für die Autoindustrie, machen Werbung für die Autoindustrie. Natürlich unter dem Vorwand, dass dann mehr Arbeitsplätze geschaffen werden, dass die Wirtschaft floriert - und in dieser Falle hängen wir drin.

J: So, jetzt müssen wir doch mal kurz diesen Streit, der bis jetzt ganz prima war, unterbrechen und die Hörerinnen und Hörer bitten, jetzt ihre Meinung zu sagen. So, jetzt notieren Sie sich bitte die Nummer: Wenn Sie für unseren Radfahrer sind, d.h. für seine Meinung, dann wählen Sie die Nummer 069/27 23 0, also am Ende die Null. Wenn Sie für die Meinung von Efi, unserer Autofahrerin sind, dann wählen Sie die 069/27 23 1, also am Ende die Eins. Die ersten Anrufer und die Anrufer Nummer 50 und 51 erhalten eine Prämie! Was, das verraten wir jetzt nicht! So, jetzt wiederhole ich das noch einmal, wenn Sie ... 

 

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J: Lieber Herr Quandt, wenn ich Sie so ansehe: Sie sehen eigentlich sehr gesund und frisch aus. Kommt das vom Radfahren? Af: Das kommt davon, wenn er immer hinter uns her fährt und unsere schlechte Luft einatmet. Entschuldigung.

Rf: Bitte. Es ist schon wahr, dass man es als Radfahrer manchmal schwer hat. Bei Wind und Wetter, im Winter ist es besonders schlimm, wenn die Straßen eisig sind. Da muss man sich schon manchmal überwinden. Aber, wissen Sie, ich sitze den ganzen Tag an meinem Schreibtisch und ohne diese Bewegung wäre das ...

Af: Na sicher. Wir sitzen im Auto. Und dann sitzen wir wieder und wieder und wieder, irgendwo. Aber denken Sie mal an die Gefahren. Natürlich, Autounfälle gibt es jede Menge, aber ich bin doch etwas mehr geschützt. Fühlen Sie sich nicht ausgeliefert - so mitten auf der Straße?

J: Ich glaube - also, vielleicht ist das übertrieben - aber wahrscheinlich gibt es den Typus Autofahrer und den Typus Radfahrer. Und deswegen verstehen sich beide nicht.

Af: Na klar. Der Autofahrer ist an sich rücksichtslos, verantwortungslos, ein Egomane, ein Zivilisationskrüppel. Und der Radfahrer rettet die Menschheit.

Rf: Genau. Wir Radfahrer sind die brutalen Verfolger der Autofahrer. Wir wollen sie ausrotten. Und irgendwann ist der Autofahrer die aussterbende Rasse, die durch besondere Gesetze geschützt wird, wie die Schildkröten und roten Ameisen.

J: Ja, meine Lieben. Ehe das zu philosophisch wird, hier das Ergebnis unserer Telefonumfrage: für Efi stimmten 41%, für Fritz, den Radfahrer, 59%.

Af: Na ja, die meisten von diesen 59% sind sowieso Autofahrer, die heimlich auch Radfahrer sind. Hab' ich ja auch mal getan. Da hatte ich einen Freund auf dem Land. Und mit dem bin ich dann halt mitgefahren, aus Sympathie. So schlecht war das auch nicht.

J: Na, dann ist ja der Streit doch nicht so schlimm geworden. Und nächste Woche haben wir hier eine andere Gruppe von Verkehrsteilnehmern ...

Rf: Fußgänger!

Af: Fußgänger! Ein furchtbares Volk.

J: Also, da muss ich jetzt, wenn ich das Funkhaus verlasse, doch ein bisschen aufpassen: da kommt von links der Fritz angeradelt und die Efi saust von rechts daher und ich kann gerade noch in meine S-Bahn springen!

So, ich wünsche euch einen schönen Abend und bedanke mich auch bei Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer.

Nichts gegen die Radfahrer. Blenden wir uns aus mit dem wunderbaren Song von Roberto Carlos, Camioneiro ...