Hörtext 2
Sie hören jetzt eine Radiosendung. Unser heutiges Mittagsmagazin bringt ein Thema, das in letzter Zeit in verschiedenen Medien diskutiert wird: „allein erziehende Väter". Es geht dabei um Männer in der besonderen Situation, dass sie Kindererziehung und Haushalt allein leisten, und die Journalistin Gudrun von Thekla macht mit drei Männern ein Telefoninterview über ihre Erfahrungen.
Zu diesem Text sollen Sie 10 Aufgaben lösen. Lesen Sie jetzt die fettgedruckten Fragen neben den Nummern 41 bis 50.
Hören Sie den Text zuerst einmal ganz. Danach hören Sie ihn in Abschnitten noch einmal
Strobel: Sporthaus Strobel. Grüß Gott.
Journalistin: Guten Tag. Kann ich bitte Herrn Strobel sprechen.
S: Am Apparat. Was wünschen Sie bitte?
J: Hier ist Gudrun von Thekla von Radio 5 plus. Sie haben sich freundlicherweise zu einem Interview bereit erklärt.
S: Ah ja, genau. Gern.
J: Also, Herr Strobel, Sie haben einige Minuten Zeit und nach der Musik sind wirdann wieder auf Sendung.
Musik
Herr Strobel, Sie sind also allein erziehender Vater, wie man so sagt. Können Sie unseren Hörern etwas darüber erzählen, wie es Ihnen dabei ergeht?
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S: Ja, also da möchte ich mich zuerst vorstellen. Mein Name ist Friedrich Strobel. Ich bin Besitzer eines Geschäfts für Sportartikel.
Ja, also im Vergleich zu anderen Männern, die ich kenne, führe ich ein etwas anderes Leben. Ich bin nämlich geschieden, seit zwei Jahren. Meine frühere Frau ist aus unserer Stadt weggezogen und ich lebe zusammen mit meiner Tochter Isabella, sie ist erst zwölf Jahre alt.
Wie ich schon gesagt habe, habe ich ein Geschäft mit zwei Angestellten und das erlaubt mir, ab und zu nach Hause zu fahren, den Haushalt in Ordnung zu bringen und für meine Tochter zu sorgen.
Leicht ist es trotzdem nicht, denn jetzt nach den neuen Ladenöffnungszeiten am Abend stehe ich manchmal fast alleine hier. Aber je älter meine Tochter wird, desto selbstständiger wird sie, und sie kann dann schon am Abend für sich selber sorgen.
J: Also, das klingt richtig nach Arbeit, Herr Strobel ...
S: Ja, besonders wenn ich dann am Abend nach Hause komme. Bis ich hier alles aufgeräumt habe, wird das oft neun, halb zehn. Und dann liegt sie meistens schon im Bett und schläft.
Was soll ich sagen. Seit ich mit Isi allein zusammenlebe, hat sich mein Leben verändert. Es heißt ja - und da ist was dran - nicht nur die Eltern erziehen die Kinder, sondern die Kinder auch die Eltern.
Ich musste mich ganz schön umstellen auf diese neue Situation. Da kommen ihre Freundinnen und plötzlich sind sie alle da - ein Chaos, das kann man sich nicht vorstellen. Und dann will sie am Freitag und Samstag spät abends plötzlich in die Disko. Ja, natürlich ist das alles harmlos. Aber dann sitze doch ich am Abend da und bin nervös, gucke auf die Uhr und denke „Ja, wann kommt sie zurück?".
Also, ich musste mich nun wirklich umstellen und nicht zu Hause den Chef spielen. Das ist ganz anders als im Geschäft. Und mit Streit und ein bisschen Tränen und dann Versöhnung haben wir's doch eigentlich einigermaßen gut geschafft. Die Hauptarbeit im Haus mach' zwar ich, aber wir haben uns die Sache doch schon so'n bisschen aufgeteilt. Meistens kocht sie einmal am Wochenende für mich beziehungsweise für uns.
Einige Punkte ärgern mich natürlich, dass sie nie ihre Sachen aufräumt, alles stehen lässt. Aber ich musste lernen, wie ich schon sagte, auf Wichtigeres zu achten, nämlich dass unser Zusammenleben klappt und im Vergleich dazu sind andere Sachen unwichtig.
Ach, eine lustige Sache erzähle ich Ihnen noch zum Abschluss. Da hat mich ein paar Mal eine Frau angerufen, die ich beim Skifahren kennen gelernt habe; da hat die Isi gleich giftig gefragt, „Wer war denn das?", als ob sie eifersüchtig wäre. Sehen Sie, so geht es allein erziehenden Männern.
J: Herr Strobel, das klingt nervenaufreibend aber auch sehr spannend.
S: Ja, ich glaub', ich hab Ihnen schon genug erzählt. Tschüs.
J: Vielen Dank.
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Und jetzt haben wir in der Leitung - Herrn Werner Hopf. Vielen Dank, Herr Hopf, dass Sie sich gemeldet haben. Erzählen Sie uns doch mal was über Ihr Leben als allein stehender Mann.
Ho: Gut. Also, zuerst mal, ganz stimmt das nicht mit dem "allein stehend". Das ist nur vorübergehend. Denn meine Frau, die hat was ganz Tolles gemacht. Sie ist zur Zeit im Senegal - ja, da unten in Afrika und arbeitet an einem Projekt für die UNESCO. Also, sie ist Landwirtschaftsingenieurin und sie ist dort für ein Jahr. Moment mal, ich bin gleich wieder dran, ich muss schnell mal in die Küche ...
J: Liebe Zuhörer, das Leben als allein erziehender Vater kann ganz schön anstrengend sein.
Ho: ... so, Verzeihung, da bin ich wieder. Also, wo waren wir? Wir haben uns ... Ich hab' ja auch einen Beruf. Ich bin Angestellter beim hiesigen Finanzamt und da hatte meine Frau plötzlich die Chance - und wir haben gesagt, das kriegen wir hin.
"Anja, lass das! Bitte!"
Entschuldigung, hier sind außer mir noch meine beiden kleinen Kinder und die versuche ich gerade zu erziehen. Ein hartes Brot kann ich Ihnen sagen. In meiner Amtsstube war's da viel gemütlicher.
Also, ich habe mich vom Amt beurlauben lassen für ein Jahr. Manchmal krieg ich Besuch von meinen Kollegen oder ich treff sie drüben im „Schweizer Hof". Das ist gleich gegenüber bei uns. Und dann erzählen sie mir, wie's dort zugeht: Wie die ganze EDV-Anlage zusammengekracht ist, wie sie einen gefeuert haben und so was - der Betriebsrat wird auch immer fauler - und dass der Herr Makruschke zum dritten Mal geheiratet hat - beachtlich! Da merke ich, wie unwichtig das alles ist. Also, Sehnsucht ...
"Sebastian, halt noch einen Moment Ruhe, bitte, ich bin gleich fertig. Ich telefoniere gerade mit dem Radio."...
So, wo war ich stehen geblieben? Verzeihung. Also, Sehnsucht, Sehnsucht hab' ich überhaupt nicht danach.
Und, naja, was soll ich Ihnen sagen? Ich muss jetzt auch wirklich Schluss machen. Ich sag jetzt noch allen Männern etwas: Versucht's auch mal, macht Urlaub von eurer Arbeit - das hält euch frisch, garantiert. Und ohne die beiden Kleinen kann ich mir das auch gar nicht mehr vorstellen. Vielleicht bleib' ich dabei, wenn meine Frau zurückkommt.
Also, vielen Dank und machen Sie's gut!
J: Vielen Dank, Herr Hopf, für Ihre ausführlichen Beschreibungen.
Ja, liebe Hörerinnen und Hörer, das war nun also ein Beispiel für einen Hausmann, also einen allein erziehenden Vater auf Zeit. Nun haben wir aber noch ein drittes Beispiel.
Moment mal, ich glaube die Verbindung klappt gerade nicht ganz. Wir spielen erst noch ein bisschen Musik ...
xxx
So, jetzt hat es aber geklappt mit der Verbindung. Hier haben wir unseren nächsten Interviewpartner.
Hü: Ja, guten Tag. Hübner. Dr. Helmut Hübner. Von Beruf bin ich Rechtsanwalt. Ich habe eine eigene Praxis, Wohnort ...
J: Danke! Vielen Dank, Herr Hübner. Unsere Hörer interessieren sich ganz besonders dafür, wie Sie mit Ihrem Leben als allein erziehender Vater zurecht kommen.
Hü: Also, da muss ich natürlich damit rechnen, dass jetzt alle meine Mandanten zuhören. Das macht nichts. Ich habe schließlich nichts zu verbergen. Nun ein bisschen ernster. Ich bin also Witwer. Vor drei Jahren ist meine Frau gestorben - an einem Unfall. Ich lebe seither allein mit meinem Sohn Benjamin. Der ist jetzt acht und in der dritten Klasse der Grundschule.
Warum ich das betone? Nun, die Eltern sind heutzutage nicht nur normale Erzieher, sondern sie müssen ihre Kinder auch in Bezug auf die Schule total unterstützen. Die Klassen sind riesengroß, statt Spielen wird immer mehr Leistung verlangt und ich will nicht, dass der Benni wegen unserer besonderen Familiensituation nicht weiterkommt. Da hätte ich wirklich ein schlechtes Gewissen.
Wie ich unser Leben so regle - nun, das ist manchmal ausgesprochen schwierig. Ich habe eine Anwaltskanzlei, ungefähr eine Autostunde von unserem Haus weg. Da gibt es zwar besondere Sprechstunden, aber immer wieder kommen unvorhergesehene Prozesstermine dazwischen.
Ich habe natürlich eine Haushälterin. Die ist da von acht bis fünf Uhr für meinen Sohn, aber das ist jetzt schon die dritte und es ist ziemlich schwer, jemanden zu finden, der wirklich zuverlässig ist und sich außer putzen, waschen und kochen auch noch dem Kind widmet, das heißt also konkret, mit ihm spielt, ein bisschen nach den Hausaufgaben sieht und auf Gefahren im Haushalt aufpasst. Da hat sich der Benni doch neulich fast mit einem ganzen Topf Wasser verbrüht. Ich kann Ihnen sagen, die Angst, dass ihm was passiert, das hat mich seither nicht mehr verlassen.
Ich habe jetzt die Marja, eine junge Frau aus Bosnien. Ich hoffe nur, dass sie hierbleiben kann. Die ist wirklich ganz, ganz toll. Also, der kann ich das ganze Haus anvertrauen.
Das Beste wäre natürlich eine neue Beziehung, eine neue Familie, aber dazu habe ich weder Zeit noch Lust und irgendwie hab' ich unser Leben einigermaßen hingekriegt.
Gibt es noch Fragen, die ich beantworten könnte?
J: Herr Hübner, das war sehr, sehr interessant. Nein, vielen Dank. Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben weiterhin alles Gute.
Liebe Hörerinnen und Hörer, für heute verabschiede ich mich von Ihnen.
Als nächstes kommt jetzt mein Kollege, Frank Zinnemann, mit Film- und Musiktipps.