Hörtext 2
Hallo, liebe Hörerinnen und Hörer. Ich freue mich, dass Sie uns auch diese Woche wieder zuhören, wenn es heißt ″Mensch und Beruf″. Diesmal bei uns zu Gast im Studio ist Hans Wondraczek. Guten Tag, Herr Wondraczek.
Wondraczek: Guten Tag.
Interviewerin: Herr Wondraczek, Sie haben ja wirklich einen spannenden Beruf. Können Sie unseren Zuhörerinnen und Zuhörern kurz erzählen, was Sie machen?
W: Ja, gern. Also, ich bin für mein Heimatland - also für Österreich - der nationale Experte bei der Interpol in Frankreich, genauer in Lyon. Und die Aufgabe der Interpol ist es, wie Sie ja sicher wissen, auf der ganzen Welt Verbrecher zu jagen und vor allem dem organisierten Verbrechen auf die Spur zu kommen.
I.: Herr Wondraczek, Sie sind ja, wie Sie gesagt haben, Österreicher, wie er leibt und lebt. Wie kommt denn jemand wie Sie, der noch dazu aus einem wunderschönen Skigebiet in Österreich - aus Flachau - stammt, also wie kommt so jemand zur Interpol?
W: Also, das war schon ein ganz schöner Sprung: Bis 1994 war ich dort ein einfacher Gendarmeriebeamter. Naja, und dann kam der Entschluss der österreichischen Regierung, dass zwei österreichische Polizisten nach Lyon zur Interpol entsandt werden sollten. Und ich habe mich beworben.
L: Na, und Sie sind anscheinend ja auch gleich genommen worden, oder?
W: Ja, eigentlich schon. Aber das Ganze hat natürlich schon einige Zeit gebraucht. Aber ich hatte eigentlich auch sehr gute Voraussetzungen: Wissen's, ich hab früher schon mal zwei Jahre in Frankreich gearbeitet und kann die Sprache wirklich sehr gut. Das war ganz bestimmt der Grund, warum ich die Stelle bekommen hab.
I.: Und wie ging das denn dann weiter? Sie haben ja auch eine relativ große Familie.
W: Ja, das stimmt. Damals hatten wir zwei Söhne, unser dritter Sohn Patrick, der ist heute zwei Jahre alt, der wurde schon in Frankreich geboren.
I.: Also sind Sie sozusagen mit „Mann, Maus und Kegel", also mit der ganzen Familie, nach Frankreich gezogen.
W: Ja, klar. Gleich als ich erfahren habe, dass ich die Stelle bei der Interpol bekomme, stand für uns fest, also für meine Frau und mich, dass wir alle zusammen nach Lyon ziehen würden. Und das haben wir dann auch in die Tat umgesetzt.
I.: Aber jetzt doch noch mal zurück zu Ihrer Arbeit. Wie geht das denn eigentlich, wenn Sie einen internationalen Verbrecher suchen?
W.: Naja, ohne Computer geht heute natürlich nichts mehr. Wir können mittlerweile fast jeden Verbrecher, der international gesucht wird, aufspüren und finden. Im Computer werden dazu alle Daten gespeichert, die wir in einem Fall haben. Naja, und dann gibt es da ein ganz ausgeklügeltes Fahndungssystem. Da sind wir erst vor kurzem wieder einem bekannten Verbrecher auf die Spur gekommen.
I.: Das ist ja wirklich interessant. Aber ich habe gehört, dass Sie erst vor kurzem sogar eine hohe Auszeichnung für Ihre besonders gute Arbeit bekommen haben. Was war das genau?
W: Also, ich bin mit dem „Interpol Award" ausgezeichnet worden, den jedes Jahr nur zehn von dreihundert Mitarbeitern bekommen. Es war mir gelungen, alle Bosse und 27 Mitarbeiter eines internationalen Drogenrings zu verhaften. Das war schon ein toller Erfolg und ein tolles Gefühl.
L: Also, auch von uns dazu herzlichen Glückwunsch. Und wie soll's nun in Zukunft weitergehen?
W: Naja, wenn die zwei Jahre hier um sind, will ich schon wieder unbedingt heim nach Österreich. Flachau ist und bleibt meine richtige Heimat und da möcht ich unbedingt wieder hin.
L: Herr Wondraczek, haben Sie herzlichen Dank für das interessante Gespräch.